

Prompt / Lyrics
Ich hab Autismus und ADHS. Also offiziell. Inoffiziell hatte ich das schon vorher – nur ohne Diagnose und mit mehr Selbstzweifeln. Früher hieß das einfach: „Du bist anstrengend.“ Heute heißt es: „Ah, das erklärt einiges.“ Schön. Hat mir damals halt keiner gesagt. Ich war nicht unhöflich. Ich hab nur nicht verstanden, warum man Dinge sagt, die man nicht meint. „Komm mal vorbei.“ Ja wann? Heute? Jetzt? Oder war das wieder so ein symbolischer Satz, der nichts bedeutet? Menschen reden ja extrem viel, um nichts zu sagen. Ich sag wenig – und mein’s ernst. Deswegen bin ich in Smalltalk ungefähr so geeignet wie ein Wolf im Ikea-Kinderland. „Und, wie geht’s?“ Willst du die echte Antwort oder die gesellschaftlich akzeptierte Lüge? Weil ich kann beides. Aber ich hasse eine davon. ADHS ist auch schön. Mein Gehirn ist wie ein Browser mit 48 offenen Tabs. Einer spielt Musik. Einer weint. Einer googelt Dinge, die ich vor 30 Sekunden vergessen habe. Und irgendwo ist noch ein Tab offen von 2009 mit dem Titel: „Warum bin ich so?“ Ich verliere ständig Dinge. Nicht, weil ich dumm bin. Sondern weil mein Gehirn entscheidet: „Das ist jetzt nicht mehr wichtig. Weg damit.“ Schlüssel? Unwichtig. Traumata von 1998? Ganz oben gespeichert. Autismus bedeutet auch: Ordnung. Nicht diese Instagram-Ordnung. Sondern funktionale Ordnung. Wenn ich etwas irgendwo hinlege, dann liegt es richtig. Wenn jemand anderes es woanders hinlegt, ist das kein Fehler. Das ist ein Angriff. Und dann sagen Leute: „Reg dich doch nicht auf, das ist doch nur eine Kleinigkeit.“ Ja. Aber viele Kleinigkeiten sind die Definition von Wahnsinn. Ich mag keine Überraschungen. Außer ich hab sie geplant. Drei Tage vorher. Mit Ablaufplan. Und Notausgang. „Wir fahren spontan weg!“ Okay. Wohin? Warum? Wer kommt mit? Wie lange? Und was ist, wenn ich sterben will nach zwei Stunden? Ich bin extrem empathisch. Aber nicht auf Kommando. Ich spüre alles – nur halt ungefiltert. Deswegen meide ich Menschen. Nicht aus Arroganz. Aus Selbstschutz. Ich kann Menschen sehr schnell loslassen. Das wirkt kalt. Ist es nicht. Es ist effizient. Wenn etwas logisch vorbei ist, dann ist es vorbei. Ich klammere mich doch auch nicht an eine kaputte Fernbedienung, nur weil wir mal schöne Abende hatten. Therapie ist auch spannend. Da sitzen dann zwei neurodiverse Menschen und versuchen rauszufinden, wer hier eigentlich das Problem hat – oder ob es einfach die Welt ist. Am Ende sagen sie: „Sie funktionieren halt anders.“ Ja. Aber ich funktioniere. Viele hier wirken eher wie ein Systemabsturz mit Ego. Ich bin nicht schwierig. Ich bin nur ehrlich in einer Welt, die lieber nett lügt. Ich bin nicht empfindlich. Ich hab einfach keinen emotionalen Spamfilter. Und ganz ehrlich: Und falls ihr euch jetzt fragt, ob ich wegen Autismus und ADHS eingeschränkt bin – nein. Ich bin nur die Version von Mensch, bei der die Gebrauchsanweisung fehlt.
Tags
Spoken words, Stand Up Comedy, female, live
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No
1/15/2026